Weg zur Hütte

Wanderung im Val Grande Nationalpark

Nach den heißen Tagen in der als Piemont bekannten Gegend sind wir in den Norden von Italien. Auch hier im Alpenvorland ist immer noch Piemont. Nach 2.5h ruhiger Fahrt legten wir eine Zwischenstopp in Bareno ein um den Wein nicht in der Hitze des Autos schlecht werden zu lassen, um den nach Promesello, einem der Tore ins Val Grande und unseren Ausgangsort der Wanderung zu fahren. Dort frühstückten wir kurz in einem Café und trafen uns anschließend mit unserem Wanderführer Tim. Mit Tim’s Auto ging es dann auf 900 Höhenmeter zum Ausgangspunkt der Wanderung. Nur gut das wir dies nicht auch noch laufen mussten. Aber selbst hier oben gab es noch ein Dorf. Es heißt Corollo. Nachdem wir unser Gepäck zurechtgerückt hatten, ging es zu Fuß weiter. Wir wanderten vorbei an ein paar  am Wochenende genutzten alten aber schön gemachten Häusern. Der Weg war schmal aber gut in Schuß. Mit kleinen Stopps zum Naschen der Blaubeeren ging es höher und höher.  An einer abgelegen Hütte pausierten wir und genossen die Fernsicht im Schatten. Zum Glück lief die Quelle noch und wir konnten unsere Wasservorräte auffüllen. Doch noch war es ein Stück bis zum Pass. Gestärkt ging es weiter. Wir erreichten den Pass auf 1800m. Vor uns lag ein schönes unberührtes Tal mit einer schrecklichen Vergangenheit.

Das Tal wurde bis vor 60 Jahren von Holzfällern fast ab gerodet und auf den zurückgebliebenen steilen steinigen Grasflächen hausten die Armen der Ärmsten. Im 2ten Weltkrieg wurden fast alle von den Nazi’s ermordet nachdem Partisanen im Tal vermutet wurden. Nach dem Krieg wurde es noch ein Weile genutzt, aber durch die einfachere Arbeiten anderer Orts wurden die Hütten nach und nach aufgeben. Dann wurde das Tal unter Naturschutz gestellt. Die Natur hatte Zeit zum Erholen und die Bäume wuchsen auch wieder.

Doch zurück zur Wanderung: Wir stiegen nun fast 900 Höhenmeter ab zu unserer Unterkunft Alpe Quaqui. Es war spannend hier. Wir stromerten in den Häusern rum, genossen die Natur und Ruhe. Von der Bauweise waren wir fasziniert. Die Mauern waren aus großen Steinen doppelreihig aufgebaut. Eine große Abschlussplatte lag oben auf. Dann kamen die Dachbalken drauf. Aber das Dach selbst war auch wieder mit Steinplatten gedeckt, welche mit leichtem Gefälle das Regenwasser abfließen ließ. Die Mauern und das Dach waren nicht abgedichtet und ließen Licht und Luft durch. Wir machten in der Hütte Feuer zum Kochen. Einen Abzug gab es nicht. Der Rauch zog durch alle Ritzen ab. Bei unserem Haus handelte es sich um das Wohnhaus. Diese war sehr niedrig und mit einem Nebenbau versehen, wo der Käse gelagert wurde. Im Haus war eine Zwischendecke eingezogen. Unten konnte man sitzen und Kochen. Oben war der Schlafbereich. Neben dem Haus waren 2 Ställe für die Kühe und Ziegen. Vor dem Haus war ein schöner Steintisch aufgebaut. Neben einigem alten Werkzeug was zurückgeblieben war gab es leider auch Müll einiger anderer Wanderer. Unser größtes Problem war nun Wasser aufzutreiben. Tim kannte ein paar Quellen. Er suchte danach, hatte aber nicht so viel Glück. Das heiße Wetter hat die einfachen Quellen versiegen lassen. Da er oft hier unterwegs ist, kannte er natürlich noch ein paar Alternativen. Zusammen mit Tim bin ich zu der früheren Unterkunft gegangen. Bei diesem Haus ist jedoch ein Dachbalken angebrochen und das Übernachten unsicher geworden. Wir holten seine restlichen Sachen aus dem Haus und fanden unterwegs noch eine Quelle die Wasser führte. Nach gefühlt einer Stunde hatten wir ca. 10 Liter Wasser zusammen.
Zurück in der Übernachtungshütte begann Tim zu kochen. Es gab eine Suppe als Vorspeise als Hauptgang aßen wir Spaghetti mit Tomatensoße. Zum Nachtisch gab es Heidelbeeren mit Keksen. Dazu tranken wir viel Tee. Es war immer noch so heiß wie im südlicheren Piemont trotz der Höhe. Da wir kühleres Wetter erwartet hatten, gab es nur die dickeren Schlafsäcke und die waren wirklich heiß. Die Sterne kamen spät zum Vorschein, waren aber sehr schön zu sehen, da es hier kein Streulicht von einem Dorf oder einer Stadt gab. Wir waren alleine im Seitental.

Am nächsten Morgen aßen wir Müsli zum Frühstück. Es sollte wieder ein heißer Tag werden. Wir stiegen hinab zum Flussbett und folgten diesem parallel. Unterwegs sahen wir immer wieder alte Häuser. An einem sehr schönen machten wir eine weitere Pause und aßen Brot und Käse. Das Brot war lecker und ähnlich einem trockenen Fladenbrot. Nach mehreren Flussquerungen ging es wieder bergauf. Es gab nur Pässe auf 1800m bis 2500m Höhe in das Tal, was der Hauptgrund für seine Einsamkeit ist. Die 2 Damen nahmen in einem der Flusspools noch ein ganz kurzes Bad, da das Wasser bestimmt nicht mehr als 12Grad hatte. Der Aufstieg durch den jungen Buchenwald war hart und nicht schön, doch solche Wegstücke gehören auch zu einer Wanderung. Doch selbst das dichte Blattwerk bot keine Abkühlung. An einem weiteren Fluss angekommen lichtete sich der Wald und ging in Sträucher über. Der Fluss war zu einer Quelle verkommen und ca. 4m flacher als zur Schneeschmelze. Nun standen uns noch 3h Aufstieg bevor. Die Übernachtungshütte immer vor Augen ging nur noch bergauf und das in der Nachmittagssonne. Abwechslung boten die Heidelbeeren und der Blick zurück. Gequält kamen wir oben an und wurden mit einem unvergleichlichen 360Grad-Panorama entschädigt. Die Wanderung dauert 7h. Die Hütte war eine offizielle Hütte der Parkverwaltung und wurde gewartet sowie mit Holz versorgt. Aber entsprechend voll kann sie werden zur Hochsaison. Sie lag direkt auf dem Pass und hatte freie Sicht zu beiden Seiten. Wir konnten die Alpendächer erahnen. Durch die Hitze konnten man die Alpen nicht sehr deutlich erkennen am Nachmittag und Abend. Die Hütte war mit einem Gatter vor den frei laufenden Schafen geschützt. Nun wissen wir man sich eingesperrt fühlt. Die Hütte füllte sich zusehends. Eine Schweizer Gruppe kam noch und die Hütte war voll. Zum Abendessen gab es wieder Suppe als Vorspeise und dann Reis mit Gemüse. Als Nachtisch gab es nur die Kekse. Auf dem Hüttenboden quietschten die Schlafmatratzen so laut, dass man sich kaum traute rumzudrehen.

Am Morgen gingen Tim und ich noch auf den Gipfel. Vor da war der Blick noch grandioser. Sogar die Seen sahen aus, wie in einem Modell. Es waren die verschiedene Gipfel zusehen und es war schön sie zu sehen mit dem Lichteinfall.
Zurück an der Hütte sehen wir noch den Monte Rosa von der anderen Seite. Die Reiseroute schloss sich. Vor 3 Wochen auf dem Berg übernachtet und nun von der anderen Seite gesehen.
Der Abstieg dauert auch 3h bis zu Tim’s Auto. Ich hätte noch 2-3 Tage so weiter wandern können. Dann ging es wieder die Kurven hinab. Unten angekommen hieß es verabschieden. Die Route war schön gewählt. Wer immer Lust auf so eine Wanderung oder eine andere Wanderung im Piemont hat, kontaktiert Tim Shaw http://www.piemont-trekking.de/.

Zurück in Bareno ging wir erst mal duschen und dann in den Pool. Später ging es am Hoteleigenen Strand in den Laggo Maggiore.
Der nächste Tag waren wir nur kurz in der Stadt, den Rest faul am Strand oder im Wasser.
Am vorletzten Tag machten wir mit der Fähre einen Ausflug nach Stresa. Am Abend gab es noch ein Konzert im Park neben an. Es war schön auch mal ein wenig das lokale Leben zu sehen.
Am letzten Tag ging es nochmal kurvenreich hinauf zu einem der anderen Tore ins Val Grande: Olimpio.
Damit waren 3 Wochen Urlaub rum und wir sind mit schönen Erinnerungen zurück.

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